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Die Gail

Die Flussbezeichnung Gail, auch die Geile, zählt zu den sehr alten topographischen Bezeichnungen Kärntens und geht auf illyrischen Gē'lias / Gailias zurück, was „die Überschäumende, die Überschwemmende“ bedeutet.[5] In der Spätantike wird der Fluss lateinisch als Licas / Licus / Lica bezeichnet, um 800 als Cellia. Auch der tirol-bayrische Lech wurde als Licus bezeichnet. Licus ist etymologisch mit Gail sinngleich und beruht auf der indogermanischen Wurzel (v)leiqu- für „nass, flüssig sein“. Im Jahre 1090 wird der Fluss als Gila bezeichnet. Im Slowenischen heißt die Gail Zila / Zilja, auf Furlan Zeie und im Italienischen Zeglia.

Der Verlauf
Die Gail durchfließt das Tiroler Gailtal, das Lesachtal, sowie das Gailtal. Sie entspringt in einem Moorgebiet am Kartitscher Sattel in Osttirol. Bei Hermagor nimmt sie die Gössering auf, bei Arnoldstein die Gailitz. Südöstlich von Villach mündet sie bei Maria Gail in die Drau. Die Flusslänge beträgt 122,2 km, das Einzugsgebiet beträgt 1.414 km².
Im Lesachtal ist die Gail noch in ihrem ursprünglichen Zustand. Neben der vom Aussterben bedrohten Deutschen
Tamariske (Myricaria germanica) kommen hier auch Flussuferläufer, Wasseramsel und Gebirgsstelze vor.
Besonders im Oberen Gailtal war der Fluss ursprünglich stark verzweigt. Damals war das Gailtal durch weite Auen und feuchte Wiesen, aber auch häufige Überschwemmungen geprägt. 1875 begann die Gailregulierung, sie reichte bis in die 1970er Jahre. Die Gail wurde begradigt, der Talboden entwässert. Durch die Regulierung wurde Ackerland gewonnen, jedoch vielen Arten der Lebensraum genommen. So gibt es im Gailtal nur mehr wenige Reste der einst vorherrschenden Feuchtwiesen. Auf einer dieser Wiesen befindet sich etwa das einzige österreichische Vorkommen der
Illyrischen Gladiole (Gladiolus illyricus).
Im Bereich der Mittleren Gail und im Stadtbereich von Villach wurden seit den 1980er Jahren Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt. Durch Aufweitung des Flussschlauches wurde die Vielfalt der Lebensräume erhöht, was wiederum zu einer Erhöhung der Artenvielfalt führte.

Im Bereich der Bergstürze des
Dobratsch bildeten sich Mäander aus, die heute noch erhalten sind. Vermutlich durch das Erdbeben von 1348, das einen Bergsturz auslöste, wurde ein mehrere Kilometer langer See aufgestaut, der bis in das 18. Jahrhundert bestand und von dem heute der Flurname Seewiese zeugt.[6]

Durchflussmenge und Gewässergüte[Bearbeiten]
Die mittlere Durchflussmenge beträgt bei Federaun, 8,6 km oberhalb der Mündung, 44,5 m³/s (1951-2010). Das mittlere Jahreshochwasser beträgt 414 m³/s, das höchste Hochwasser betrug 850 m³/s (5. November 1966). Neben den frühsommerlichen Abflussmaxima treten an der Gail, bedingt durch Südstaulagen und damit verbundene Starkniederschläge, auch herbstliche Maxima auf.
Bezüglich der
Gewässergüte wird die Gail bis Kötschach-Mauthen mit Güteklasse I (kaum verunreinigt), danach mit Güteklasse I-II (kaum bis mäßig verunreinigt) eingestuft.

Fischregionen[Bearbeiten]
Historisch reichte die Forellenregion bis Kötschach-Mauthen, die Äschenregion bis zur Warmbachmündung. Die Barbenregion nahm die unterste Gail unterhalb der Warmbachmündung ein. Heute reicht die Forellenregion, bedingt durch die Flussregulierungen, bis Hermagor. Von historisch belegten 26 Arten kommen derzeit im Fluss noch 17 Arten vor, als stark gefährdet gilt der Strömer.

Kraftwerke[Bearbeiten]
An der Gail befinden sich drei kleine Wasserkraftwerke. Das Kraftwerk bei Schütt mit dem Stauraum und der Ausleitungsstrecke beeinflussen die Ökologie der Gail nachhaltig. Besonders die Fischwanderung von Barbe und Nase wird dadurch verhindert.

Literatur[Bearbeiten]
  • 125 Jahre Gailregulierung. Wasserwirtschaft im Wandel der Zeit. Herausgeber: Amt der Kärntner Landesregierung, Abteilung 18: Wasserwirtschaft. Hermagor, Juni 2001.
  • Wolfgang Honsig-Erlenburg, Werner Petutschnig (Hrsg.): Die Gewässer des Gailtales. Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten, Klagenfurt 2002.